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Bartmann über den stattgefundenen 114. Deutschen Ärztetag in Kiel

Seite 3 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes 06/2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der 114. Deutsche Ärztetag ist Geschichte. Er war nicht nur etwas Besonderes, weil er in unserem Bundesland stattgefunden hat und sich die über 1.000 Gäste bei uns so wohlgefühlt haben. Über Kiel wird man noch lange reden, weil hier eine Ära zu Ende ging: die Ära von Jörg-Dietrich Hoppe. Nach zwölf Jahren an der Spitze der Bundesärztekammer, an der er es meisterhaft verstanden hat, die Kammer als die, wie es sein Nachfolger Frank Ulrich Montgomery treffend formulierte, ethisch-moralische Instanz in Deutschland zu positionieren.

Die Standing Ovations zu seiner Verabschiedung zeigten eindrucksvoll, dass das keine Einzelmeinung war.

Zugleich wird Kiel aber auch für einen Neuanfang stehen, für den der bei uns zurecht kaum weniger beliebte Montgomery stehen wird. Wir in Schleswig-Holstein trauen dem neuen Präsidenten der Bundesärztekammer nicht nur zu, die anstehenden Herausforderungen zu meistern, sondern erwarten dies von ihm. Der Ärztetag hat deutlich gemacht, wo diese liegen.

Die Ärzte haben kein Verständnis mehr für eine weitere Hinauszögerung der GOÄ-Novellierung. Mit sicherem Gespür hat Montgomery die GOÄ zur Chefsache gemacht und damit die Messlatte hoch gelegt. Dafür bekommt er von uns volle Unterstützung.

Die Bundesärztekammer kann die GOÄ-Novellierung nicht allein durchboxen. Dies haben einzelne Delegierte immer wieder deutlich gemacht - wir brauchen Verständnis und Unterstützung von allen Seiten. Am Ende entscheiden nicht wir, sondern die Politik. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein wird das in ihrem Rahmen Mögliche tun, um hieran mitzuwirken. In seinem ersten öffentlichen Statement nach der Wahl (Seite 14) hat Montgomery aber auch gezeigt, dass er zugleich verhandlungs- und kompromissfähig sein wird und dass die Bundesärztekammer sich zu weiteren Themen positionieren muss.

Eines davon ist der Ärztemangel, der trotz aller Bemühungen der Krankenkassen, diesen zum Verteilungsproblem zu verharmlosen, selbst von Politikern kaum noch ernsthaft angezweifelt wird. Der neue Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr jedenfalls hat in Kiel nur 19 Tage nach seinem Amtsantritt erkennen lassen, dass er das Problem lösen will.

Was bleibt von seinem Auftritt im Kieler Schloss? Das Angebot des Bundesgesundheitsministers zum Dialog, seine Bereitschaft, sich die ärztlichen Probleme nicht nur anzuhören, sondern mit uns gemeinsam nach Lösungen zu suchen - das ist eine gute Voraussetzung und weit mehr, als wir es von vielen seiner Vorvorgänger gewohnt sind. Insofern bin ich sicher, dass von Kiel tatsächlich, wie in meiner Begrüßung (Seite 16) erhofft, ein Signal ausging:

Die Ärzteschaft und ihr neuer Präsident werden mit dem neuen Bundesgesundheitsminister sicher nicht immer einer Meinung sein, stets aber im konstruktiven Dialog bleiben.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident