Vom Wasser aus ist Kiel am schönsten
Eindrücke aus dem Rahmenprogramm
(01.06.2011)
Wer Kiel in ganzer Schönheit erleben möchte, der muss in See stechen, auf die Kieler Förde. Erst vom Wasser aus zeigt die Landeshauptstadt ihre einmalige geographische Lage: hufeisenförmig rund herum gebaut um den von Eiszeitgletschern tief ins Land hinein geschnittenen Meeresarm. Eine erste Ahnung von dieser ganz besonderen Situation bekommen die Ärztetags-Teilnehmer der Förderundfahrt schon aus dem Fenster der Tagungshalle: die Dächer der benachbarten Geschäftshäuser werden – das Wasser selbst sieht man noch gar nicht – überragt von den Aufbauten der großen Fähren nach Göteborg und Oslo, die im Hafen liegen.
Eine Schiffstour die Förde rauf nach Laboe und wieder zurück gewinnt noch sehr, wenn ein alter Fahrensmann als Stadtführer dabei ist: mit Kapitän zur See a.D. Hans Laubner hatte die Gruppe einen gewieften Experten zur Seite. Erster Merkposten: in Kiel liegen auch die größten Schiffe, Ozeanriesen wie der Kreuzfahrer „Mein Schiff 2“, mitten in der Innenstadt. Nicht irgendwo weit außerhalb in Gewerbegebieten, sondern gleich nebenan. Eincheckende Passagiere brauchen nicht einmal einen Shuttlebus zwischen Bahnhof und ihrem Traumschiff. Die Kieler lieben die gewaltigen Kreuzfahrer, und deren Reedereien lieben Kiel.
Eng ist es auf der Innenförde, die kleinen Förde-„Dampfer“ (sie fahren natürlich nicht mehr mit Dampfmaschinen, werden aber immer noch so genannt) müssen an der Bahnhofsbrücke ziemlich rangieren. Dreimal tuten – „müssen wir machen beim Rückwärtsfahren“, erläutert Laubner. Vorbei geht es an der HDW-Werft, wo zur Zeit nur U-Boote und Luxusjachten gebaut werden, an der Werft der Bundesmarine, an der Forschungsanstalt der Bundesmarine. Ja, die Marine, zuerst die Kaiserliche, dann die Reichs-, jetzt die Bundesmarine prägt Kiels Küstenlinie immer noch. An Steuerbord der „Schilksee“ – Käpt’n Hannes, alles andere als dröge norddeutsch, gibt seemannssprachlichen Erstunterricht – folgt wieder ein Marine-Merkposten, das U-Boot-Ehrenmal Möltenort. Schließlich kommt Laboe in Sicht, wir legen an und pilgern – ja, zum Marine-Ehrenmal. 75 Meter hoch, alle nehmen den Fahrstuhl (keiner die 341 Stufen) und genießen den Blick von oben. Sagenhaft klares Wetter, am Horizont ist die dänische Insel Langeland zu sehen, gut 50 Kilometer entfernt. Ernste Stimmung unten in der Eingangshalle des Ehrenmals: 35.000 tote Mariner im ersten und 120.000 im zweiten Weltkrieg. Vor diesen Zahlen zu stehen, macht sprachlos.
Die Gorch Fock in KielZurück an Bord, bei strahlender Sonne alle aufs Oberdeck, die meisten kauen: Klar, Fischbrötchen, frischer Räucherfisch, die Laboer Hafengegend steht ja voller Fischbuden. Vorbei geht’s am Falckensteiner Leuchtturm, wir passieren den Hubschrauberlandeplatz der Marineflieger, dann dicht ran an die Schwimmdocks der Lindenau-Werft, vor den Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals dreht der Fördedampfer eine Runde. Was taucht jetzt auf, welchen Marine-Begriff hatten wir noch nicht? Jetzt kommt der Marine-Hafen. Und erfreulicherweise liegt auch das Segelschulschiff „Gorch Fock“ an der Mole. Käpt’n Hannes wagt sich aus dem Fahrwasser und schleicht mit der „Schilksee“ dicht an die Dreimastbark heran – auch ohne Segel ist die „Gorch Fock“ ein imposantes Schiff. Wir müssen versprechen, die kleine Kursänderung niemandem weiter zu sagen.
Vier Stunden auf und am Wasser, bei blauem Himmel – das ist einfach die beste Art, Kiel zu erleben.
(Jörg Feldner)




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