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Dr. Frank Ulrich Montgomery aus Hamburg ist neuer Präsident der Bundesärztekammer

(02.06.2011)

Heute Mittag ist die Entscheidung in Kiel gefallen: Dr. Frank Ulrich Montgomery aus Hamburg ist im zweiten Wahlgang zum neuen Präsident der Bundesärztekammer gewählt worden.

Dr. Frank Ulrich Montgomery, neuer Präsident der Bundesärztekammer (Foto: helliwood media)Dr. Frank Ulrich Montgomery, neuer Präsident der Bundesärztekammer (Foto: helliwood media)Montgomery hatte in seiner Bewerbungsrede auf die Erfolge des Marburger Bundes unter seiner Regie verwiesen. Die Strategie des MB habe dabei geholfen, den Ärzten wieder einen aufrechten Gang zu vermitteln, meinte Montgomery. Für die Zukunft versprach der Kammerpräsident aus Hamburg, die GOÄ noch in dieser Legislaturperiode umsetzen zu wollen. Als weitere Leitthemen nannte der Radiologe aus dem UKE das Versorgungsgesetz und Patientenrechte.

Nach seiner Wahl kündigte Montgomery, für den sich im Vorfeld auch seine Vorgänger Prof. Jörg-Dietrich Hoppe und Dr. Karsten Vilmar ausgesprochen hatten, auch die einbinden zu wollen, die ihm bislang nicht das Vertrauen geschenkt haben.

Montgomery hatte im ersten Wahlgang 111 und im zweiten Wahlgang 128 Stimmen erhalten. (Weitere Informationen über den neuen Präsidenten finden sich in der Vorstellung der Kandidaten im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt 4/2011 auf Seite 53 und hier in der Rubrik "Lesenswert").

Montgomerys härtester Konkurrent war der Berliner Kammerpräsident Dr. Günter Jonitz. Der Klinikarzt hatte im ersten Wahlgang 74 und im zweiten Wahlgang 94 Stimmen bekommen. Jonitz punktete bei den Delegierten mit dem Verweis auf seine Verbindlichkeit, „political correctness“, bekannte Jonitz, sei dagegen nicht seine Sache. Jonitz präsentierte sich als Vertreter einer „Werte orientierten Gesundheitspolitik“, mit der er die Ärzte von „Getriebenen zu Treibern“ machen wolle. Jonitz forderte von den Ärzten mehr Mut zur Wahrheit, mit dem auch unbequeme Themen wie etwa Priorisierung angesprochen werden.

Zuvor hatten sich wie angekündigt fünf Kandidaten um die Stimmen der 250 Delegierten beworben. Der 52 jährige Klinikarzt Martin Grauduszus aus Erkrath hatte als erster Kandidat die „verderblichen Einflüsse“ aus Politik und Kassenlandschaft beklagt und versprochen, sich als „Polier der Ärzteschaft“ dafür einzusetzen, dass Ärzte in Deutschland nicht länger „entmündigt und entwürdigt“ werden. Der Präsident der Freien Ärzteschaft erhielt jedoch nur 22 Stimmen und verzichtete auf einen weiteren Wahlgang.

Mit nur 9 Stimmen ging Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach aus dem ersten Wahlgang hervor. Der niedergelassene fachärztliche Internist hatte besonderen Einsatz für den ärztlichen Nachwuchs in Aussicht gestellt und dafür auch ein besseres Image des Arztberufes angemahnt. Der 62jährige Hesse verzichtete ebenfalls auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang.

Dr. Theodor Windhorst, Kammerpräsident aus Westfalen-Lippe, hatte in seiner Vorstellungsrede besonders auf seinen Einsatz für eine GOÄ-Novellierung abgehoben und ebenso wie Montgomery versprochen, diese im Fall einer Wahl zur Chefsache zu machen. Der Chefarzt aus Bielefeld präsentierte sich als „Mann der Tat“, der nach eigenen Worten für das Bild des Arztes als „Heiler und Helfer“ steht. Windhorsts Rede enttäuschte manche Beobachter. Obwohl er nur 31 Stimmen im ersten Wahlgang erhielt, trat er im zweiten Wahlgang erneut gegen die favorisierten Montgomery und Jonitz an, erhielt dann aber nur noch 24 Stimmen.

Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, scheidender Präsident der Bundesärztekammer (Foto: helliwood media)Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, scheidender Präsident der Bundesärztekammer (Foto: helliwood media)Vor der Wahl hatte es standing ovations für den scheidenden Präsidenten Prof. Jörg-Dietrich Hoppe gegeben. Der 70jährige Rheinländer hatte das Amt in den vergangenen zwölf Jahren inne und verzichtete aus gesundheitlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur. Sein bisheriger Vizepräsident Montgomery attestierte Hoppe, die Bundesärztekammer als moralisch-ethische Institution in Deutschland etabliert zu haben. Einen ausführlichen Rückblick auf seine Amtszeit hat Hoppe im Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt (Ausgabe 4/2011, ab Seite 48, siehe auch hier in der Rubrik "Lesenswert") gegeben.

(di)