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Ärztetag befürwortet eng begrenzte Zulassung der PID

Entscheidung erst nach mehrstündiger Diskussion

(01.06.2011)

Der 114. Deutsche Ärztetag hat sich am Mittwoch nach intensiver und kontroverser Diskussion zu einer eng begrenzten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) entschlossen. Mit einer am Ende deutlichen Mehrheit von 204 zu 36 Stimmen unterstützen die Delegierten damit ein Memorandum zur PID, das eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Vorstands der Bundesärztekammer und des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK erarbeitet hatte.

Zu den Eckpunkten des Memorandums zählen u. a.:

  • die ethische Abwägung spricht für eine Zulassung der PID in engen Grenzen und unter kontrollierten Voraussetzungen. Unter Gesichtspunkten der Zumutbarkeit für die Frau und des Entwicklungsstandes des vorgeburtlichen Lebens ist die in vitro-Befruchtung in bestimmten Fällen ethisch weniger problematisch als eine Pränataldiagnostik mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch. Gegen die Befürchtung eines Dammbruchs spricht die internationale Erfahrung. Aus ethischer Sicht fallen die Persönlichkeitsrechte und das Selbstbestimmungsrecht der Frau bzw. des Paares, ihre Gewissensfreiheit sowie ihre Gewissenerwartung ins Gewicht.
  • Eine Eingrenzung der Indikationsstellung ist erforderlich. Die PID soll nur für Erkrankungen durchgeführt werden, für die bei einem Paar ein hohes genetisches Risiko bekannt ist. Keine Indikationen für PID sind Geschlechtsbestimmung ohne Krankheitsbezug, höheres Alter der Eltern sowie reproduktionsmedizinische Maßnahmen im Allgemeinen.
  • Um die Patienten-Autonomie zu wahren und eine authentische, verantwortungsbewusste Entscheidung zu ermöglichen, bedarf es umfassender Information sowie kompetenter Beratung.
  • Bei den Landesärztekammern sind behandlungsunabhängige PID-Kommissionen einzurichten, die die Qualitätsssicherung der PID gewährleisten. Der Kommission sind die einzelnen Behandlungsfälle in anonymisierter Form vorab vorzulegen.

Die Entscheidung fällte der Ärztetag erst nach mehrstündiger, sorgfältiger Diskussion, die sowohl Gegner und Befürworter des Memorandums als angenehm bezeichneten. Dr. Henrik Herrmann aus dem Vorstand der Ärztekammer Schleswig-Holstein sprach von einem Höhepunkt der Diskussionen auf Ärztetagen. Mehrfach wurde klargestellt, dass es bei der PID nicht um „Designerbabys“ gehe, sondern darum, Unheil von Familien abzuwenden. Zur Rolle und Selbstverständnis des Arztes sagte Dr. Ulrich Clever aus Baden-Württemberg: „Es kann nicht sein, dass wir uns zum Richter machen, aber begleiten müssen wir.“ Bernd Zimmer aus Nordrhein verwies darauf, dass die PID nicht nur Risiken birgt, sondern auch „die Chance, Leben entstehen zu lassen.“ Mehrere Redner folgten den Aussagen von Dr. Henning Friebel, der einen Beschluss des Ärztetages für unverzichtbar hielt und das Thema nicht allein dem Bundestag überlassen wollte. Der Ärztetag betonte aber auch, dass nur der Gesetzgeber legitimiert sei, eine solche, das Leben elementar berührende Frage, verbindlich zu entscheiden.

(di)